#2

Kaum hatte Marie die Augen am nächsten Morgen geöffnet, musste sie an ihn denken. An diesen Mann, der lächelnd durch die Gegend läuft um den Menschen zu zeigen, dass es ihm gut geht und er nicht mies drauf ist. Ob er das wohl auch tat wenn es ihm schlecht ging oder sein Tag nicht so lief wie er es sich erhofft hatte? Diese Frage lässt sich wohl einfach aufklären. Sie nahm sich vor, diese Frage auf die imaginäre Liste für die Unterhaltung am Abend zu nehmen.

Erst einmal musste sie nun allerdings beginnen sich fertig zu machen, denn eigentlich war sie mittlerweile schon spät dran. Oh weia! Ausgerechnet heute wo sie doch einen Termin mit der Chefin direkt zu Dienstbeginn hatte. Sie sprang aus dem Bett und ging schnurstraks ins Bad um sich die Zähne zu putzen und zu duschen. Beim Zähneputzen merkte sie jedoch, dass ihr die Zeit zum Duschen bereits jetzt fehlte. Daher entschied sie sich für eine Katzenwäsche und zog sich danach schnell an.

Obwohl sie total abgehetzt im Reisebüro ankam (und das 1 Minute vor Dienstbeginn!) und sich aufgrund der Katzenwäsche in ihrem Körper unwohl fühlte, hatte sie gute Laune und startete motiviert in den Arbeitstag. Die Besprechung mit der Chefin war erfolgreich und sie waren schnell mit allen Themen durch, sodass Marie um 09:30 Uhr bereits wieder am Platz saß und ihrer Arbeit nachging. Das Einzige was ihr an diesem Morgen zu schaffen machte, war ihre Blase am Fuß. Sie hatte in der ganzen Eile nämlich vergessen ihre Fernsenschoner in die Schuhe zu kleben. Tja, da musste sie nun durch. Wenn es nur das war, dachte sie sich, würde sie den Tag schon überleben.

„Hey, Du sag mal wie weit sind eigentlich Eure Vorbereitungen für Euren Urlaub?“ fragte sie Sarah enthusiastisch, „habt Ihr Euch für Malaga entschieden?“ Ihr war klar, dass Sarah nun loslegen würde und so lehnte sie sich entspannt zurück. Gerade war im Laden keine Kundschaft und die Reise, die sie noch raussuchen musste, sollte erst bis zum Mittag beim Kunden im Posteingang eintrudeln.

„Du kannst Dir nicht vorstellen was das für ein Theater mit Sedrik und diesem Urlaub ist. Er ist nicht einverstanden mit Malaga. Dort ist es ihm zu warm. Hallo? Zu warm? Wie kann es irgendwo zu warm sein? Er hat wohl von einem Kumpel gehört, dass man dort selbst nachts keine angenehme Temperatur in die Häuser bekommt und deswegen schläft der Kumpel nachts immer auf der Terrasse auf einer Sonnenliege. Ich kenne diesen Kumpel nicht und frage mich ehrlich gesagt was mit dem nicht stimmt. Ich meine, selbst wenn diese merkwürdige Geschichte wahr ist – was ich nicht glaube – dann freut man sich doch, dass man es so warm hat, dass man draußen schlafen kann, oder?“ Sarah war völlig aus der Puste und musste erst mal durchatmen.

„Beruhige Dich mal wieder, meine Liebe. Es ist ganz normal, dass Menschen das anstrengend finden. Du kannst mir doch nicht erzählen, dass Du in einem zweiwöchigen Urlaub die komplette Zeit draußen auf der Terrasse schlafen möchtest statt in einem weichen und bequemen Bett. Da Du noch nie in einem solchen Klima warst, hast Du auch keinen blassen Schimmer wie es dort ist. Und ich sage es ungern, aber Du solltest auf Sedrik hören. Was hat er denn als Urlaubsziel vorgeschlagen?“ nun war Marie neugierig.

„Halt Dich fest! Er möchte gern nach London. Ähm hallo?! London, schlechtes Wetter, langweilig, kein Strand. Was denkt er denn was wir in London eine Woche lang machen? Shoppen wäre eine Option, aber darauf hat er dann wieder keine Lust. Marie ich bin vollkommen aufgeschmissen mit diesem Mann.“ Ok, man muss dazu sagen, dass die beiden bisher immer nur mal Städtetrips innerhalb von Deutschland gemacht haben und Sarah generell noch nicht viel auf der Welt rumgekommen ist. Was grundsätzlich nicht schlimm ist, aber als Reiseverkehrskauffrau etwas ungewöhnlich. Marie dagegen war anders. Sie liebte die Ferne und wollte in ihrem Leben unbedingt noch so viel wie möglich von der Welt sehen und viele besondere Orte bereisen. Sie hat Träume, die sie irgendwann verwirklichen will. Doch erst mal holte Sarah sie wieder aus ihren Tagträumen. „Marie? Was soll ich Deiner Meinung nach nun tun?“ fragte die arme Sarah aufgeschmissen.

„Nun ja, ich würde versuchen einen Kompromiss zu finden. Ihr könntet doch zum Beispiel nach Italien oder nach Portugal und achtet bei der Hotelwahl auf die Bewertungen der Klimaanlage des Hotels. Dann seid Ihr beide glücklich, Du hast Deine Sonne und Wärme und Sedrik kriegt vielleicht auch noch einen Städtetrip nach Porto oder Rom. So würde ich es machen.“ Sarah wirkte etwas entspannter und schien sich Maries Idee durch den Kopf gehen zu lassen. Marie machte sich nun an das Reiseangebot was sie bis Mittag verschicken wollte und Sarah widmete sich weiter der Internetpräsenz des Reisebüros. Auch darum kümmerten sich die beiden gelegentlich, da sie sich mit der ganzen IT-Thematik besser auskannten als die Chefin und jene zu geizig für eine IT-Firma war, die sich um die Homepage kümmern könnte. Aber sie war bisher immer zufrieden mit der Arbeit Ihrer beiden Angestellten. Die Azubine hatte heute Schule und generell schien es Marie, als würde der Tag besonders zügig voranschreiten.

Auf dem Heimweg kaufte sie noch ein paar Teile im Markt um die Ecke ein, die sie für ihr Abendessen brauchte. Sie war überglücklich, dass sie nun endlich wieder Zuhause war, denn sie hatte ihr Handy vergessen und war den ganzen Tag nicht erreichbar für SMS, die ggf. von ihrer neuen Bekanntschaft hätten kommen können. Schon beim Betreten der Wohnung war sie fast gestolpert, weil sie so schnell wie möglich zu ihrer Kommode gelangen wollte. Sie schnappte sich ihr Handy und hatte sofort ein glückliches Lächeln im Gesicht. Er hatte schon geschrieben. Vor ein paar Minuten. Sie war super aufgeregt und las die Nachricht noch im Stehen:

„Liebe Marie, ich hoffe Du hattest heute einen schönen Arbeitstag und bist mit einem Lächeln durch die Gegend gelaufen 😉 Leon“

Sie setzte sich auf ihr Sofa und freute sich wahnsinnig auf die heutige Unterhaltung mit diesem tollen Mann.

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