# 3

„Hi 🙂 Ich habe mir große Mühe gegeben, die Menschen anzulächeln und nicht miesepetrig anzuschauen. War heute Morgen etwas schwierig, weil ich in Eile war und ich befürchte, dass ich meinen Blick nicht 100%ig unter Kontrolle hatte. :D“

Sie schickte die Nachricht an ihn ab und packte erst einmal ihren Einkauf aus. Es sollte Geschnetzeltes bei ihr geben. Zwiebeln wurden kleingeschnitten und angebraten und dann gab sie das Fleisch hinzu. Zwischendurch schaute sie immer mal wieder auf ihr Handy, aber noch tat sich nichts. Ist schon verrückt wie oft man auf sein Handy sieht, wenn man eine Nachricht oder einen Anruf oder etwas Ähnliches erwartet. In der Regel lag ihr Handy nämlich immer – selbstverständlich lautlos – in ihrer Handtasche und sie würdigte es keines Blickes, außer sie wollte selbst etwas damit versenden oder jemanden kontaktieren etc.. Es kam nichts. Also machte sie sich an das Kochen der Nudeln und suchte Sahne und Gewürze aus dem Schrank. Geschnetzeltes hatte sie schon länger nicht gegessen und da sie nun alleine lebte, war es kein Problem, ab und zu mal etwas deftiger zu kochen. Bei Erik war das nicht möglich, da er auf gesunde Ernährung großen Wert legte und es nicht gern sah, wenn Marie abends noch Nudeln mit Sahnesauce aß. Aber genau dieser Gedanke an Erik zauberte Marie ein genugtuendes Grinsen ins Gesicht und sie freute sich umso mehr auf ihr Essen.

Kürzlich hatte sie mit einer neuen Serie begonnen von der nun neue Folgen online waren. Perfekt für einen gemütlichen Abend also. Sie aß auf der Couch und sah sich dabei die Serie an. Allerdings konnte sie sich nicht richtig auf die Serie konzentrieren, da sie permanent an Leon denken musste und sich fragte warum er nicht antwortete. Normalerweise war sie nicht so neugierig und aufgeregt, aber dieser Mann hatte etwas an sich, was Marie neugierig machte. Neugierig auf mehr. Sie hatte seine Stimme nicht mehr genau im Kopf, wollte sie so gern noch einmal hören. Seine Augen waren traumhaft schön und er war sehr fröhlich. Klar fand sie es ungewöhnlich, dass er mit einem Lächeln versucht durch das Leben zu laufen, aber ihr war es so lieber als mit einem pessimistischen Auftreten. Pessimisten konnte Marie ganz und gar nicht ausstehen. Sie war ein sehr positiver Mensch und versuchte immer, das Gute in den Menschen und in gewissen Dingen zu sehen.

Ruckartig wurde sie aus ihren Gedanken gerissen, als ihr Handy vibrierte. Es war Leon. Ihr Herz schlug höher als sie die Nachricht öffnete:

„Bist wohl zu spät aus dem Bett gekommen?! Das Gleiche ist mir heute Morgen auch passiert. Ich konnte kaum einschlafen und dementsprechend müde war ich heute Morgen. Aber als ich an heute Abend dachte, war ich wach und wollte, dass der Tag so schnell wie möglich vergeht.“

Ach Gott war das süß! Marie war ein Kitsch-Freund. Sie liebte Schnulzen und Happyend und alles was mit Friedefreudeeierkuchen zu tun hat. Daher mochte sie auch Männer, die Gefühle zeigen und auch mal einen kitschigen Spruch raushauen. Sie lehnte sich zurück und träumte ein wenig vor sich hin. Dabei stellte sie sich vor, wie er ihr im Park über den Weg läuft. Sie kommt auf ihn zu, läuft ihm in die Arme, küsst ihn und er schwingt sie eine Runde durch die Luft. Hach, wie schön. Oh. Wie schön verbrannt riecht es denn plötzlich? Marie rennt in die Küche und sieht das Dilemma. Sie hatte nach dem Kochen den Herd nicht ausgemacht und nun ist das komplette restliche Essen in der Pfanne festgebrannt und alles stinkt und ist verqualmt. Sie öffnet erst mal ein Fenster und ist ganz froh, dass der Rauchmelder nicht losgegangen ist. Wobei … nachts wäre es schon hilfreich, wenn er losgeht, wenn sie mal vergisst, dass der Herd noch an ist und sich schlafen legt. Naja, wird schon schiefgehen, denkt sie sich und legt sich wieder aufs Sofa. Sie muss den nächsten Schritt in Richtung Unterhaltung machen:

„Ging mir genauso. 🙂 Hab grad fast meine Wohnung abgefakelt. Bin leider zu doof zum Kochen.“

Sie musste über sich selbst lachen und überlegte kurz, ob sie das so abschicken konnte. Ja, konnte sie. Zwar schlug sie sich kurz gegen den Kopf als die Nachricht weg war, weil sie sich damit selbst niedermachte, aber das war ihr egal. Sie wollte ihn ja schließlich teilhaben lassen an dem Debakel und wollte, dass er sie so kennenlernt wie sie ist. Es bringt ja nichts, wenn man sich für jemanden verstellt. Zumindest auf Dauer nicht. Für den Moment mag das schon manchmal in den Augen des – in diesem Fall – Verliebten Sinn ergeben, aber im Nachhinein bereut man es oft und das Gegenüber ärgert sich.

„Oh. Was ist denn passiert? Ich hoffe es geht Dir gut, Frau Köchin. :)“

Ok, sie hörte die Verspottung durch die Nachricht hindurch. Er lachte am anderen Ende und machte sich über sie und ihre Kochkünste lustig. Aber wie sollte sie darauf reagieren? Zickig? Auf keinen Fall. Da sie sich gerade zuvor selbst über sich amüsiert hatte, musste sie auf diesem Zug bleiben und nicht ruckartig von ihm abspringen.

„Ich habe mir etwas gekocht, was – am Rande erwähnt – sehr lecker geschmeckt hat, habe den Topf mit dem restlichen Essen auf der Herdplatte stehen lassen und vergessen, den Herd auszuschalten. Du darfst gern kurz über mich lachen, aber nur kurz. Ist alles gut soweit.“

„Das ist das Wichtigste! Ach, so etwas ist mir auch schon mal passiert. Den Topf kannst Du wegschmeißen 😀 Was gab es denn bei Dir Leckeres zu Essen? Bei mir gab es nur ein Brot.“

„Es gab Geschnetzeltes mit Nudeln. Und bitte halte mir jetzt keine Standpauke darüber, dass man abends keine Nudeln und keine Sahnesauce essen sollte. Das mache ich trotzdem.“

„Das würde ich nie tun. Ich bin eher etwas neidisch, weil Du so etwas Leckeres hattest und ich nur ein Brot. Vielleicht könnten wir uns ja mal irgendwann treffen und dann könnten wir gemeinsam etwas Schönes kochen. Nur wenn Du magst natürlich. ich wollte Dich nicht überrumpeln.“

„Das hast Du nicht. Ich würde sehr gern mit Dir kochen!“

 

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