# 12

Aber natürlich gefiel es ihr. Das war ja gerade das, was ihr solche Angst machte. Sie befürchtete, sich nicht zurückhalten zu können, wenn er mehr wollen würde. Dazu wollte sie es auf keinen Fall kommen lassen und beschloss also, sich aus seiner Umarmung zu lösen. Sie lächelte ihn höflich und auch etwas schüchtern an und fragte, ob er vielleicht noch etwas trinken möchte.

Was ist bloß mit ihr los? Habe ich etwas falsch gemacht? Sollte ich sie danach fragen? Gerade eben waren wir noch eng umschlungen und leidenschaftlich knutschend und jetzt flieht sie beinahe vor mir. Die Zähne hatte ich mir doch noch einmal geputzt oder? Er atmete in seine Handfläche und war beruhigt, als er seinen frischen Atem roch. Vielleicht ist es die Art des Kusses gewesen und es war zu leidenschaftlich.

Leon machte sich ebenfalls Gedanken, allerdings hatte er mehr Angst davor, dass Marie der Kuss nicht gefallen haben könnte oder er irgendetwas falsch gemacht hat. Weniger dachte er darüber nach, dass sie den nächsten Schritt noch nicht gehen wollte. Verständlich war es aber durchaus. Schließlich kannten die beiden einander nun auch noch nicht so gut, als dass man direkt miteinander ins Bett hätte steigen müssen.

Als Marie aus der Küche zurückkam, hatte sich Leon bereits etwas aus der Kuschelposition gelöst und saß etwas distanziert auf der Couch.

„Es war wirklich ein schöner Film. Hätte ich gar nicht mit gerechnet, so es doch eine Schnulze ist.“ sagte er und versuchte, die Stimmung etwas aufzulockern. Marie war immer noch etwas angespannt und lächelte ihn nur an. Dann nahm sie ihren Mut zusammen und sprach das Thema einfach an. „Hör mal Leon, ich mag Dich wirklich sehr gern und ich fand den Kuss ganz wunderbar. Aber ich will echt nichts überstürzen und möchte nicht, dass wir es so schnell angehen. Das würde alles kaputtmachen und das will ich nicht. Verstehst Du das?“ auf der einen Seite fiel ihr ein Stein vom Herzen, als sie es ausgesprochen hatte, auf der anderen Seite war sie nun verunsichert, wie er die Sache sehen würde und was er dazu sagen würde. Er lachte laut auf. Ok, das war eine merkwürdige Reaktion, aber was er danach sagte, war umso niedlicher. „Ach Marie, ich hatte schon Angst, dass ich etwas falsch gemacht habe oder Du den Kuss nicht schön gefunden hast. Selbstverständlich warten wir mit allem Weiteren. Ich möchte, dass es Dir gut geht, dass Du Dich wohl fühlst. Und ich will auch nichts überstürzen. Es soll doch etwas ganz Besonderes mit uns werden, oder?“ Dann küsste er sie liebevoll auf die Stirn und streichelte ihr durchs Haar.

Warum hatte ich mir nur so viele Gedanken gemacht? Er scheint die gleiche Einstellung zu der Sache zu haben wie ich. Und ich scheine ihm zu gefallen.

Die beiden erzählen einander noch ein paar Geschichten aus der Kindheit, sie lachen über dieselben Witze und haben ein bisschen Spaß. Und das alles ohne diese Anspannung, die noch vor einer Weile herrschte.

Als Leon mit angezogener Jacke im Flur stand, konnte Marie nicht anders: sie musste ihn nochmal küssen. Gleiche Leidenschaft, gleiche Intensität und diesmal weniger schüchtern. Das Eis zwischen den beiden war gebrochen.

Er fuhr nach Hause und schrieb ihr noch am selben Abend, dass er sich in sie verliebt hat und ihm der Abend sehr gut gefallen hat. Auch Marie sah das so und war überglücklich, diesen Mann gefunden und in ihr Leben gelassen zu haben.

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