# 13

Seit drei Wochen waren die beiden nun ein Pärchen. Sie verbrachten jede freie Minute miteinander und lachten viel. Die Zeit mit Leon war für Marie einfach magisch. Sie konnte ihm alles erzählen und sich ihm anvertrauen. Er gab ihr das Gefühl von Geborgenheit und zeigte Verständnis für ihr Verhalten, ihre Launen oder ihre Einstellung zu bestimmten Dingen. Natürlich redete er ihr nicht nach dem Mund, aber er war oft ihrer Meinung. Es war, als hätten die beiden eine besondere Verbindung zueinander.

Heute Abend waren sie zum Essen verabredet. Marie war noch Zuhause, von wo Leon sie abholen wollte. Zwanzig Minuten hatte sie noch, bis er bei ihr auftauchen würde. Pünktlich würde er in jedem Fall sein. Pünktlichkeit lag ihm definitiv. Was Marie sehr schätzte, denn auch sie war kein Freund der Verspätung. Noch allerdings war sie selbst diejenige, die hinter der Zeit war. Am Ohr hielt sie das Handy – hatte sie doch noch schnell Sarah anrufen wollen um ihr eine schöne Reise zu wünschen (Der Urlaub mit Sedrik stand vor der Tür. Morgen früh sollte der Flieger gehen.) – und in der Hand hielt sie den Fön. Sie verabschiedete sich von Sarah und legte auf. Noch schnell die Haare geföhnt und das Kleid übergeworfen und schon sah sie wieder wie ein normaler Mensch aus. Geschminkt hatte sie sich bereits während des Telefonierens. Leon würde sie heute in ein besonders feines Restaurant ausführen, in dem Marie noch nicht war. Sie hatte den Namen mal gehört, aber mit Sarah war sie immer in weniger abgehobenen Etablissements.

„La Grande“ hieß das Lokal und dort war eine gewisse Abendgarderobe Pflicht. Das wollte Marie sich natürlich nicht zweimal sagen lassen und kaufte vergangene Woche dieses atemberaubend schöne Kleid, in welchem sie nun steckte. Gerade als sie ihren Lipliner noch einmal nachzog, klingelte es an der Tür.

Auch Leon sah an diesem Abend fabelhaft aus. Er trug einen dunkelblauen Anzug und eine lachsfarbene Krawatte. Was perfekt abgestimmt auf ihr lachsfarbenes Kleid war. Sie fuhren mit dem Auto einige Minuten Richtung Innenstadt und fanden erstaunlicherweise direkt vor dem Restaurant einen Parkplatz. Eigentlich untypisch für Berlin. Glück muss man haben!

„Das Essen war ganz fantastisch Leon! Vielen Dank für diesen tollen Abend! Es ist einfach so schön mit Dir! Ich genieße jede Sekunde und fühle mich so wohl in Deiner Gegenwart.“ Marie umarmte ihn und hielt ihn einen Moment länger fest, als üblich für eine Umarmung. Sie wollte ihn nicht loslassen, wollte irgendwie nicht, dass der Abend endet. Für einen Moment blendete sie das Drumherum aus. Sie standen vor dem Restaurant auf dem Gehweg, einige Menschen gingen an ihnen vorbei, einige schmunzelten, einige schauten sie merkwürdig an. Aber Marie bekam von alldem nichts mit, denn sie war verliebt. Einfach verliebt.

„Wie wäre es, wenn Du noch mit zu mir kommst und wir noch eine heiße Schokolade zum Abschluss dieses Abends trinken? Ich habe sogar Sahne da und kleine Marshmallows.“ Marie strahlte ihn an und hoffte inständig, dass er die Frage bejahen würde. „Na klar! Heiße Schokolade wäre klasse. Aber einen Gute-Nacht-Kuss kriege ich doch trotzdem, oder?“ Marie musste schmunzeln. Den bekam er. Einen verfrühten gab sie ihm gleich auf der Stelle.

So fuhren die beiden mit Leons Auto wieder zu Maries Wohnung und wärmten sich bei einer heißen Schokolade auf …

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# 12

Aber natürlich gefiel es ihr. Das war ja gerade das, was ihr solche Angst machte. Sie befürchtete, sich nicht zurückhalten zu können, wenn er mehr wollen würde. Dazu wollte sie es auf keinen Fall kommen lassen und beschloss also, sich aus seiner Umarmung zu lösen. Sie lächelte ihn höflich und auch etwas schüchtern an und fragte, ob er vielleicht noch etwas trinken möchte.

Was ist bloß mit ihr los? Habe ich etwas falsch gemacht? Sollte ich sie danach fragen? Gerade eben waren wir noch eng umschlungen und leidenschaftlich knutschend und jetzt flieht sie beinahe vor mir. Die Zähne hatte ich mir doch noch einmal geputzt oder? Er atmete in seine Handfläche und war beruhigt, als er seinen frischen Atem roch. Vielleicht ist es die Art des Kusses gewesen und es war zu leidenschaftlich.

Leon machte sich ebenfalls Gedanken, allerdings hatte er mehr Angst davor, dass Marie der Kuss nicht gefallen haben könnte oder er irgendetwas falsch gemacht hat. Weniger dachte er darüber nach, dass sie den nächsten Schritt noch nicht gehen wollte. Verständlich war es aber durchaus. Schließlich kannten die beiden einander nun auch noch nicht so gut, als dass man direkt miteinander ins Bett hätte steigen müssen.

Als Marie aus der Küche zurückkam, hatte sich Leon bereits etwas aus der Kuschelposition gelöst und saß etwas distanziert auf der Couch.

„Es war wirklich ein schöner Film. Hätte ich gar nicht mit gerechnet, so es doch eine Schnulze ist.“ sagte er und versuchte, die Stimmung etwas aufzulockern. Marie war immer noch etwas angespannt und lächelte ihn nur an. Dann nahm sie ihren Mut zusammen und sprach das Thema einfach an. „Hör mal Leon, ich mag Dich wirklich sehr gern und ich fand den Kuss ganz wunderbar. Aber ich will echt nichts überstürzen und möchte nicht, dass wir es so schnell angehen. Das würde alles kaputtmachen und das will ich nicht. Verstehst Du das?“ auf der einen Seite fiel ihr ein Stein vom Herzen, als sie es ausgesprochen hatte, auf der anderen Seite war sie nun verunsichert, wie er die Sache sehen würde und was er dazu sagen würde. Er lachte laut auf. Ok, das war eine merkwürdige Reaktion, aber was er danach sagte, war umso niedlicher. „Ach Marie, ich hatte schon Angst, dass ich etwas falsch gemacht habe oder Du den Kuss nicht schön gefunden hast. Selbstverständlich warten wir mit allem Weiteren. Ich möchte, dass es Dir gut geht, dass Du Dich wohl fühlst. Und ich will auch nichts überstürzen. Es soll doch etwas ganz Besonderes mit uns werden, oder?“ Dann küsste er sie liebevoll auf die Stirn und streichelte ihr durchs Haar.

Warum hatte ich mir nur so viele Gedanken gemacht? Er scheint die gleiche Einstellung zu der Sache zu haben wie ich. Und ich scheine ihm zu gefallen.

Die beiden erzählen einander noch ein paar Geschichten aus der Kindheit, sie lachen über dieselben Witze und haben ein bisschen Spaß. Und das alles ohne diese Anspannung, die noch vor einer Weile herrschte.

Als Leon mit angezogener Jacke im Flur stand, konnte Marie nicht anders: sie musste ihn nochmal küssen. Gleiche Leidenschaft, gleiche Intensität und diesmal weniger schüchtern. Das Eis zwischen den beiden war gebrochen.

Er fuhr nach Hause und schrieb ihr noch am selben Abend, dass er sich in sie verliebt hat und ihm der Abend sehr gut gefallen hat. Auch Marie sah das so und war überglücklich, diesen Mann gefunden und in ihr Leben gelassen zu haben.

# 11

Ungefähr bei der Hälfte des Films pausierten sie ihn kurz für eine Toilettenpause. Als Leon im Bad verschwand, überlegte Marie in Windeseile wie sie die Situation noch etwas romantischer gestalten könnte und ob sie vielleicht ihre Strickjacke ausziehen sollte. Diese Überlegung war sehr schnell abgeschlossen, sie zog die Strickjacke aus und lies den Träger ihres BH’s ein wenig unter dem Oberteil hervorblicken. Natürlich nicht zu sehr, eben nur ein bisschen, sodass Leon ihn sah. Sie holte eine kuschelige Wolldecke und kuschelte sich darin ein. Wenn er wiederkommt, würde er sich sofort zu ihr kuscheln und die beiden wären sich noch näher. So war zumindest ihre Vorstellung.

Im Grund war es auch genau so. Leon kam von der Toilette zurück und sah Marie eingekuschelt unter der Decke. Er lächelte sie an und fragte sie höflich, ob er auch mit unter die Decke dürfe. Er durfte. Sie kuschelten sich wieder aneinander und sahen sich den Film weiter an. Marie war in Gedanken ganz woanders. Sie konnte sich absolut nicht auf den Film konzentrieren. Nun, sie kannte den Film auch schon auswendig, da es einer ihrer Lieblingsfilme war. Also kein Problem, wenn sie nicht zuhörte, denn jegliche Fragen die Leon im Nachhinein stellen könnte, könnte sie im Schlaf beantorten.

Aber über was dachte sie nach? Über Leon. Über sich selbst. Über Leon und sich selbst. Was dachte er wohl gerade? Die Fragen wollten einfach nicht aus ihrem Kopf verschwinden und sie waren immer wieder dieselben. Sie genoss es, ihm so nah zu sein. Jedoch hatte sie Angst, dass sie ihre 3-Dates-Regel so womöglich schneller brechen würde, als ihr recht war. Immerhin war dies das erste richtige Date und da wollte sie maximal kuscheln und ihn küssen. Vermutlich war es schon etwas verrückt, dass sie sich im Vorfeld bereits Gedanken über diese Einzelheiten gemacht hatte. Aber man muss sich doch immer bestimmte Gedanken machen oder? Nun war sie unsicher. War es überhaupt wichtig, dass die von ihr selbst aufgestellte Regel eingehalten wird? Nach kurzem Überlegen kam sie zu dem Entschluss: ja. Es war ihr super wichtig und sie wollte es einfach nicht zu schnell angehen. Immerhin mochte sie ihn wirklich gern und hatte ihn auf eine so außergewöhnliche Art und Weise kennengelernt, dass sie „ihre Geschichte“ nicht einfach in etwas banalem wie einem One-Night-Stand enden lassen wollte. Falls es denn einer werden würde.

Wieder kamen die Fragen in ihr auf. Wieder schaute sie unauffällig zu Leon hinüber. Er bemerkte ihren Blick, lächelte und sah wieder zum Fernseher. Scheinbar hatte er den Film noch nicht gesehen, denn er war ganz angetan und passte gut auf. Marie hatte zunächst die Befürchtung, dass er den Film nur ihr zuliebe guckt und ihn eigentlich zu schnulzig findet. Aber nun scheint er mehr Interesse an dem Film als an ihr zu haben. Was für ihren Denkprozess praktisch war. Aber der Film war ja auch irgendwann am Ende angekommen …

Die beiden drehten sich in ihrer Umarmung etwas näher zusammen, sodass sie einander nun in den Armen lagen und sich ansahen. Beide lächelten und Leons Augen strahlten seine komplette Glückseeligkeit aus. Er war glücklich. Das war ihm eindeutig anzusehen. Marie war durcheinander und wusste nicht wie sie damit umgehen sollte. Also? Küsste sie ihn. Sie legte ihm ihre Hand auf die Wange und streichelte sie. Dabei zog sie ihn ein wenig an sich heran und küsste ihn sanft auf die Lippen. Er erwiderte den Kuss und die beiden Münder verschmolzen zu einer in Liebe getauchten Einheit. Es war ein wahnsinnig romantischer und sehr inniger Moment, der mindestens 3 Minuten andauerte.

Dann allerdings löste Marie sich aus Leons Umarmung und wich ein Stück mit dem Kopf zurück. Ganz perplex sah er sie an. Was geschah hier? Hatte er etwas falsch gemacht? Gefiel es ihr nicht, wie er sie küsste?

#10

Ob sie sich über Blumen freuen würde? Oder ist das zu abgedroschen? Lieber Pralinen? Nachher hat sie eine Laktose-Intoleranz oder ist auf Diät, dann ist das auch nicht das richtige Mitbringsel. Aber was könnte ihr denn noch gefallen?

Leon musste den ganzen Nachmittag darüber nachdenken, was er Marie wohl zu ihrem ersten Date heute Abend mitbringen könnte. Er wollte auf keinen Fall mit leeren Händen kommen. Wobei das ja eh ausgeschlossen war, weil er ja noch alle Zutaten für das Abendessen einkaufen und mitbringen wollte. Zum Glück hatte er heute noch frei und konnte somit in Ruhe alles organisieren. Ein bisschen aufgeregt war er schon, als er sein Hemd anzog. Er betrachtete sich im Spiegel und war nicht hundertprozentig von seinem Outfit überzeugt. Eigentlich wollte er etwas recht Schlichtes anziehen. Doch es war schließlich ein Date mit einer bezaubernden Frau. Da will Mann ja auch was hermachen. Schlussendlich entschied er sich also für eine Jeans, Turnschuhe und ein schlichtes dunkelblaues Hemd. Es sah anständig und doch sportlich aus. Was Marie wohl anhaben würde? Selbstverständlich stellte er sich diese Frage.

Und auch die Frage, wie der Abend wohl verlaufen würde, beschäftigte ihn. Denn was passiert nach dem Essen? Sollte er sicherheitshalber einen Film mitbringen? Nicht, dass der Abend direkt nach dem Essen beendet ist. Das wollte er auf keinen Fall. Man kann zwar nicht alles planen, aber ein bisschen nachhelfen wird wohl erlaubt sein. Also suchte er 3 Filme raus. Eine Schnulze, einen Actionfilm und etwas Lustiges. Da wird hoffentlich etwas für Maries Geschmack dabei sein. Er meint sich zu erinnern, dass sie damals im Park sagte, dass sie gern romantische Filme mit Happy End ansieht. Eine typische Frau halt. Das war nicht seine Art von liebstem Film, aber er wollte in erster Linie, dass sie glücklich ist und einen schönen Abend hat. Wenn sie diesen hat, dann hat er ihn auch.

Bevor er die Wohnung verließ, kam in ihm die Frage auf, ob er wohl ein Kondom mitnehmen sollte. Nicht, dass er es darauf anlegen würde, davon Gebrauch zu machen, aber es könnte ja durchaus passieren. Und dann ist es besser, wenn man eins hat. Wenn sie keins hat, dann ist es eine merkwürdige Situation. Allerdings könnte es auch merkwürdig sein, wenn sie irgendwie mitbekommt, dass er eins dabei hat. Vermutlich geht sie dann automatisch davon aus, dass er es vorher geplant hat. Das würde einen falschen Eindruck erwecken. Wobei Leon natürlich nicht abstreiten konnte, dass er Marie sehr attraktiv fand. Und bei ihrem Kuss da knisterte es ordentlich zwischen den beiden. Noch einige Stunden musste er darüber nachdenken und dann doch mit sich selbst Vorlieb nehmen. Er nahm das Kondom mit. Sicher ist sicher.

Als er nun vor Maries Tür stand, zitterten ihm schon ein wenig die Knie. Er war ziemtlich aufgeregt und hoffte, dass sie sich über die Blumen freuen würde. Ja. Für Blumen hatte er sich entschieden. Rosafarbene Rosen. Sie mochte rosa und Blumen. Und rote Rosen hätten vielleicht ein bisschen zu viel ausgesagt.

Marie machte ihm die Tür auf und nahm ihm zuerst den Einkauf ab und brachte ihn in die Küche. Dann übergab Leon ihr die Blumen und sie freute sich wahnsinng darüber. Zu seinem Glück liebte sie nämlich auch Rosen. Punktlandung also gewissermaßen.

Die beiden umarmten sich und setzten sich erst einmal einen Moment zum Quatschen in die Stube. Doch nur kurz, denn beide hatten einen mordsmäßigen Kohldampf und wollte schnell mit dem Kochen beginnen. Sie teilten die Arbeitsschritte auf, sodass einer schnibbelte und der andere sich schon mal um das Fleischanbraten kümmerte.

Sie hatten viel Spaß miteinander und lachten oft und viel beim Kochen. Ab und zu schauten sie sich etwas verliebt an. Waren sie etwa verliebt?

Marie machte sich Gedanken darüber, was er wohl dachte, wenn er sie so ansah. Sah er sein heutiges Date? Seine Errungenschaft für die Nacht? Eine Geliebte? Eine einfache Freundin? Oder vielleicht wirklich jemanden, mit dem er sich mehr vorstellen könnte? Warum machte sie sich überhaupt Gedanken darüber? Im Grunde war es egal, was er in ihr sah, denn in erste Linie wollten die beiden einen schönen Abend miteinander verbringen und das taten sie – egal wie die Gefühle dazu standen.

Als Nachtisch gab es ein leckeres Mousse au Chocolat auf Himbeerspiegel. Pappsatt wanderten die beiden nach dem Essen in Richtung Wohnzimmer und ließen sich auf Maries Sofa plumpsen. Die Filmauswahl hatte Leon zu Beginn schon auf den Tisch gelegt und Marie hatte sich gleich einen ausgesucht. Wie zu erwarten, hatte sie sich für die Schnulze entschieden. Was ok war, denn bei einer Schnulze hatte Leon vielleicht die größte Chance auf ein wenig Zärtlichkeit. Dadurch, dass beide zu viel gegessen hatten und sich kaum bewegen konnten, geschweigedenn wollten, blieben sie eine Weile genau so sitzen, wie sie nach ihrem Plumps gelandet waren. Etwas voneinander entfernt. Aber Leon wusste was zu tun war. Er war direkt und fragt, ob sie sich vielleicht gern in seinen Arm kuscheln wollte.

Natürlich wollte sie. Und sie war ganz verzaubert von ihm und seiner charmanten und doch sehr direkten Art. Das mochte sie gern an ihm. Er versuchte nicht langsam immer dichter zu rücken um ihr dann den Arm um die Schulter zu legen. Nein, er fragte sie einfach, ob sie das wollte und dann tat er es. Wie ein richtiger Mann. Das gefiel Marie. Seine Oberarme waren stark und er roch sehr gut. Sie kuschelte sich ganz tief in seinen Arm und sie genossen den Liebesfilm bei einem Glas Wein…

#9

Was natürlich Männerlogik war und demnach für schlechte Laune bei Marie sorgte. Sie hatte nämlich gehofft, dass er die Sache noch aufklärt und ihr erzählt warum er angeblich seinem Kumpel so ein Gedicht schicken wollte. Da er es nicht aufgeklärt, geschweigedenn auf ihre Nachricht reagiert hat, vermutet sie, dass er neben ihr noch andere Frauen trifft und mit ihnen schreibt. Das war grundsätzlich kein Problem, da sie beide single waren und es sein gutes Recht war. Dennoch machte es sie traurig.

„Wollen wir uns heute Abend sehen?“

schrieb er ihr am nächsten Vormittag. Sie war so in ihre Arbeit vertieft, dass sie die Nachricht erst viel später sah und auch dann nicht direkt darauf reagierte. Was war, wenn die Nachricht wirklich für eine andere Frau war? Wie sollte sie sich dann ihm gegenüber verhalten? Ihre Gefühle waren durcheinander und sie wollte das Treffen gern verhindern. Doch dann kam erneut eine Nachricht von ihm.

„Du hast das mit dem Gedicht glaub ich falsch verstanden. Es war wirklich für meinen Kumpel. Er heiratet doch bald…und da ich sein Trauzeuge bin, muss ich ihm bei seinem Treueschwur helfen.“

Oh. Marie war plötzlich entsetzt über das was in ihrem Kopf vor sich gegangen war und hatte ein ganz schlechtes Gewissen. Was hatte sie bloß für wilde Gedanken bezüglich des Gedichts? Leon war scheinbar ein mehr als anständiger Kerl und lieb noch dazu. Er merkte wohl, dass Marie nicht über die Nachricht des gestrigen Abends hinwegkam und dass er ihr die Erklärung dafür nicht erst bei einem Treffen mitteilen konnte, sondern sie schon vorher beruhigen musste. So sind die Frauen eben. Immer denken sie zu viel über alles nach und machen sich zu viele Gedanken über Nichtigkeiten. Vermutlich sind schon viele Beziehungen aus diesem Grund auseinandergegangen, weil die Paare nicht miteinander, sondern aneinander vorbei gesprochen haben. Schade eigentlich, wenn man bedenkt, dass es so einfach sein könnte, wenn jeder seinen Stolz und seinen Dickkopf mal etwas zurückfährt 🙂

Marie war nun auf jeden Fall erleichtert und stimmte dem Treffen zu.

„Wollen wir denn heute Abend schon gemeinsam kochen?“ kam es von ihr zurück.

Er fand die Idee super und schlug vor, dass er die Zutaten besorgen würde und sie für einen schönen Wein sorgen könnte. Das war für sie in Ordnung.

Nach dieser kurzen Unterhaltung widmete sich Marie wieder ihrer Arbeit und holte fast den kompletten Nachmittag über Preisanfragen für Spanien ein. Spanien war aktuell ein sehr beliebtes Urlaubsziel und daher gut bepreist. Da musste man schon am Ball bleiben, wenn man seinen Kunden ein Topangebot bieten wollte. Und genau das wollen die Mädels aus dem Reisebüro „Hin und weg“ immer. Es soll nicht einfach irgendeine Reise sein, sondern am besten nicht 100 % Mainstream und bezahlbar.

Nach der Arbeit fuhr sie beim Weindepot vorbei und besorgte einen Rosé und einen Weißwein. Nicht oft kam es vor, dass sie Wein trank, daher brauchte sie eine gewisse Grundberatung um die richtigen beiden Weine zu wählen. Sie war gespannt auf Leons Meinung zu den Weinen. Immerhin hatte er den Wein erwähnt und scheint sich damit besser auszukennen als Maire.

Zuhause angekommen musste Marie erstmal Ordnung machen. Es war natürlich ordentlich genug, aber man verfällt ja doch schon mal in Panik, wenn das erste richtige Date vor der Tür steht und es in der eigenen Wohnung stattfindet. Sie machte das Bett ordentlich und legte ihre Tagesdecke fein säuberlich oben drauf. Dabei stellte sie sich die Frage, wie das Date wohl laufen würde. Würden sie Spaß haben? Würde das Essen gut schmecken? Könnten sie gemeinsam lachen? Wobei … das bezweifelte sie nicht. Wie würde es weitergehen? Oh. Darüber hatten sie nicht gesprochen. Was machen sie nach dem Essen? Und vor allem: wie weit würde es gehen? Marie blickte zur Tagesdecke und ihr wurde etwas mulmig. So weit wollte sie es auf keinen Fall kommen lassen. Drei-Dates-Regel. Auf der anderen Seite wurde ihr ganz warm beim Gedanken an den Kuss.

Plötzlich wurde sie vom Klingeln der Tür aus ihren Gedanken gerissen …

# 8

Sie ließ sich auf’s Bett fallen und konnte einfach nur lächeln vor Freude. Ihre Augen funkelten und sie strahlte über das gesamte Gesicht. Sie war verliebt. Verliebt in Leon. Scheinbar hat er sie durch den Kuss verzaubert und nun konnte sie nur noch an ihn denken. Es fiel ihr in dieser Nacht sehr schwer einzuschlafen, denn in ihrem Kopf wiederholte sich immer und immer wieder die Kussszene vor dem Haus.

Es gibt verschiedene Gründe weswegen man nicht einschlafen kann. Wenn man nicht müde ist, man aber weiß, dass man dringend schlafen muss, weil man am nächsten Tag wichtige Termine hat, für die man fit und frisch sein muss, dann ist man zerknirscht. Man dreht und wendet sich im Bett und hofft, dass man endlich Ruhe findet. Aber je mehr man zu schlafen versucht, desto mehr denkt man nach und desto mehr geht einem durch den Kopf. Besonders schlimm ist das, wenn Wut oder Trauer der Auslöser für die Schlaflosigkeit sind. Verliebtsein ist zudem auch noch für die Schmetterlinge im Bauch eine Gefahr. 🙂  Sie fliegen die ganze Nacht wie wild im Bauch umher und ihnen wird bald schwindelig. Man malt sich diverse Situationen aus. „Wie hätte es laufen können, wenn …“, „Wenn wir uns wiedersehen, dann …“ und so weiter. Auch das bereits Erlebte geht einem nochmals durch den Kopf und man genießt es gedanklich noch mehrere Male. So war es in der vergangenen Nacht auch für Marie. Sie musste immer wieder an den Kuss denken und plante bereits das nächste Treffen und dass sie dann etwas offensiver sein würde und ihm damit quasi zuvorkommen würde.

Mitten in der Nacht schlief sie endlich ein. Es waren nur knapp 4 stunden Schlaf, die sie bekommen hatte. Aber dennoch war sie recht fit. Vermutlich die Endorphine. Glückshormone machen das Leben so viel schöner und blumiger. Naja, zumindest teilweise. Denn den Wochenbeginn aufhalten konnte selbst die Hormone nicht. Sie konnten sie nur etwas erträglicher machen. Und was das anging, machten sie einen guten Job. Marie war gut gelaunt im Reisebüro angekommen und freute sich auf den Montag. Mit Sarah plauschte sie wie ein Wasserfall und berichtete ihr natürlich vom gestrigen Abend. Auch Sarah fand es aufregend, dass sich Leon und Marie dichter gekommen sind und einander geküsst haben. Und das, obwohl sie nicht mal wirklich ein erstes Date hatten. Sie kannten sich zwar schon von dieser merkwürdigen Nacht im Park. Aber davon wusste Marie ja nichts mehr und somit zählte es nicht. Und das gestrige Treffen war in Sarahs Augen nicht anständig genug für ein erstes Date. Sie hatte eine genaue Vorstellung vom Leben und von den Dingen die darin geschahen. Bei einem ersten Date lädt der Mann die Frau zum Essen ein. Gibt es kein Essen, ist es kein erstes Date, sondern allenfalls ein Treffen zwischen Bekannten. Marie war schleierhaft, was der Unterschied sein sollte, aber gut. Sie akzeptierte Sarahs Einstellung. Immerhin war es ihre beste Freundin und die hatte sie schließlich auch mit ihren Macken lieb.

Sie konnte aber generell dieses Verlangen nach einem bestimmten „Status“ oder einer bestimmten Bezeichnung nicht verstehen. Warum musste man es „erstes Date“ nennen? Warum überhaupt „Date“? Und was gab es für einen Unterschied zwischen Bekannten die sich treffen und vielleicht ein Paar werden und Unbekannten, die ein Date haben und vielleicht ein Paar werden? Die schlimmste Situation ist in Maries Augen die, in der es bereits einige Dates gab und sich beide nicht sicher sind, ob sie jetzt „zusammen“ sind oder nicht. Nun ja, an diesem Punkt waren sie ja noch lange nicht angelangt.

Am Abend musste Marie noch ein paar Einkäufe erledigen. Unter anderem brauchte sie etwas Bastelmaterial, denn ihre Chefin hatte in wenigen Tagen Geburtstag. Sarah und sie hatten geplant, etwas Kleines für die Chefin zu basteln. Da sie gerne las, bekam sie einen Gutschein aus einer Buchhandlung, sowie einige selbstgebastelte Lesezeichen. So etwas konnte Marie gut und sie tobte sich gern mit diesen kreativen Dingen aus.

Erst als sie fertig mit der Gestaltung der Lesezeichen war, zog sie sich ihre gemütliche Hose und ein Schlafshirt an, kuschelte sich auf’s Sofa und machte sich noch eine Folge ihrer aktuellen Lieblingsserie an. Ihr Handy hatte sie bei der ganzen Bastelei ganz vergessen. Es war immer noch in ihrer Handtasche und war auf lautlos. Sie wunderte sich vorher einige Male, warum sie keine Nachrichten bekam. Insgeheim hoffte sie nämlich immer, dass die Nachrichten von ihm ausgehen würden. Sie hoffte, dass er zuerst an sie dachte und ihr schrieb. Frauenlogik. Hat wohl auch was mit den Hormonen zu tun. Er war in ihren Augen ein braves Kerlchen, denn er hatte tatsächlich zuerst geschrieben.

„Du bist so wunderschön, oh Mein,
ich möchte für immer sein der Dein.
An Deiner Seite möchte ich für immer steh’n
und keinen Schritt mehr ohne Dich geh’n“

Es war ein Vers eines Gedichts. Aber Marie war sich nicht sicher wie sie diesen Vers finden sollte. Er war sehr schnulzig und süß, ja. Aber er klang, als wäre er aus dem Internet abgeschrieben und nicht selbstausgedacht. zudem klang er so als würde ein Mann seiner Frau einen Antrag machen wollen. Das machte Marie etwas stutzig. Gerade wollte sie lostippen und ihn fragen, was es damit auf sich hatte, als bereits eine zweite Nachricht von ihm kam.

„Ich würde jetzt gern schreiben, dass die Nachricht gerade nicht an Dich gehen sollte. Doch dann wärst Du verwirrt und vermutlich würdest Du es falsch verstehen und wärst sauer auf mich. Aber für Dich ist sie viel zu schnulzig und außerdem habe ich das aus dem Internet abgeschrieben und mir nicht selbst ausgedacht. So etwas hättest Du verdient und kein Stück weniger. Die Nachricht sollte an meinen Kumpel gehen.“

Marie war nach dieser Nachricht noch viel verwirrter und schrieb nur etwas kurz angebunden zurück:

„Ach, so etwas schreibst Du Deinen Kumpels? Interessant. Ich wünsche Dir eine gute Nacht, lieber Leon.“

Leon wusste nicht, ob er heute noch etwas zurükschreiben sollte. Er vermutete, dass sie sauer auf ihn war, weil sie ihm nicht glaubte. Er wollte aber heute Abend auch keine Diskussion mit ihr führen. Daher wartete er bis zum nächsten Tag ab…

# 7

Klar wäre das schön. Sie war nun ja auch schon eine Weile single. Und auch wenn das die meiste Zeit gar nicht so schlimm war, wie sie es sich damals nach der Trennung mit Erik ausgemalt hatte, fehlte ihr manchmal einfach etwas. Ein Mann halt. Jemand der sie umarmen würde wenn sie nach Hause käme. Jemand der mit ihr gemeinsam kochen und sich abends zu ihr ins Bett legen würde. Wobei…für das Kochen hat sie ja nun Leon. Bei dem Gedanken musste sie lächeln und wieder an ihn denken. Geschnetzeltes hatte sie sich gewünscht. Vielleicht würden sie ja auch noch einen Nachtisch kreieren. Oder vielleicht wäre sie sein Nachtisch? Huch, da war sie gedanklich wohl etwas vom Thema abgekommen.

In dieser Nacht schlief sie besonders gut. Denn sie hatte nicht nur sehr angenehme Träume und konnte am nächsten Tag ausschlafen, sondern es war Sonntag und Leon würde heute von seinem Ausflug wiederkommen. Insgeheim hoffte sie nämlich die ganze Zeit, dass er sich heute melden würde. Zumindest ein kleines Lebenszeichen. Das würde ihr schon ausreichen um happy zu sein. Sie bereitete sich ein Frühstück zu und aß es vor dem Fernseher. Allerdings wurde es danach etwas sportlicher, denn sie ging noch ins Fitnessstudio um ihre Übungen zu machen. Insgesamt war der heutige Tag etwas sportlicher und durchgetakteter als der Samstag. Marie überwies zwei Rechnungen, räumte ihren Badezimmerschrank auf und machte Ordnung in ihrer Wohnung. Es würde jetzt ja sicher nicht mehr lange dauern bis sich die beiden zum Kochen treffen würden und sie wollte auf jeden Fall vorbereitet sein, falls das Treffen bei ihr stattfinden würde.

Als sie sich gerade aufs Sofa setzen wollte, piepte ihr Handy. Ganz aufgeregt lief sie zur Kommode und schaute auf das Display. Er war es. Oh. Und wie er es war. Sie konnte ihren Augen kaum trauen.

„Hallo meine Schöne. Ich bin wieder zuhause angekommen und ich kann an nichts anderes denken als an Dich. Zu gern würde ich Dich heute noch sehen. Meinst Du, es wäre zu verrückt, wenn wir uns treffen würden? Würde mich freuen.“

Was schrieb er denn da? Ihre Wohnung war nun zwar auf Hochglanz poliert, aber ihr Körper war es in keinster Weise. Ihre Beine waren nicht rasiert, sie hatte ungewaschene Haare und frisch fühlte sie sich nach dem ganzen Haushalt nun auch nicht unbedingt. Was sollte sie nun bloß tun? So konnte sie sich auf gar keinen Fall mit ihm treffen. Und schon gar nicht in der Öffentlichkeit, wo sie womöglich auch von anderen Leuten gesehen werden könnte.

„Schön, dass Du wieder da bist 🙂 Puh, das kommt aber spontan. Da war ich jetzt gar nicht drauf vorbereitet. Aber … wir können uns gern treffen, wenn Du mir noch etwas Zeit für eine Dusche gibst. Wollen wir uns in einer Stunde im Park treffen?“

„Gern. Ich freu mich auf Dich :)“

Marie freute sich auch. Sie freute sich so sehr, dass sie Bauchschmerzen vor lauter Aufregung bekam und nicht mehr wusste wo vorne und wo hinten ist. Ganz durcheinander stieg sie in die Dusche und kümmerte sich erstmal um ihren Körper. Was sollte sie bloß anziehen? Nachdem sie mehrere Oberteile und Hosen querbeet im Raum verteilt hatte, entschied sie sich für ein Kleid. Es war keines mit Spitze und Tamtam, sondern ein einfaches Sommerkleid in dunkelblau. Der Ausschnitt war nicht besonders groß, aber er war da. Etwa knielang war es. Durchaus akzeptabel für ein erstes „richtiges“ Date.

Auf dem Weg in den Park war sie etwas aufgeregt und auch gespannt wie es wohl werden würde. Ob die beiden sich genau so gut verstehen würden, wenn sie einander persönlich gegenüberstehen? Ach, sie würde es ja gleich herausfinden. Warum also unnötig viele Gedanken machen?

Da war er. Sie sah ihn schon von Weitem. Er hatte ein Blümchen in der Hand. Kein gekauftes Blümchen, sondern ein gepflücktes aus dem Park. Niedlich irgendwie.

„Meine Schöne, ich habe Dir ein Blümchen gepflückt. Nur ein kleines, weil ich es für schwachsinnig erachtet habe, Dir eins zu kaufen was Du dann den restlichen Abend mit Dir rumschleppen musst. Dieses ist so klein, dass Du es auch in Deine Handtasche stecken könntest. Schön, Dich wiederzusehen!“ er umarmte sie und grinste über beide Wangen. Sie war echt glücklich in dem Moment, in dem er sie umarmte. Es fühlte sich so echt an, so vertraut, so gut.

Sie ginge spazieren und unterhielten sich viel. Leon berichtete von seinem Urlaub und von dem Junggesellenabschied seines Freundes. Marie musste lachen, als er erzählte in welchem Reisebüro er die Reise gebucht hatte. Es war das Reisebüro in dem sie arbeitete.

„Aber da war doch nur diese eine Frau. Dich habe ich gar nicht gesehen.“ sagte er verdutzt.

„Ja, weil ich für einen kurzen Moment den Laden verlassen hatte um etwas einzukaufen. Als ich wiederkam erzählte mir meine Freundin – sie heißt übrigens Sarah – von einem gutaussehenden Mann, den ich verpasst hätte. Das warst scheinbar Du.“

Dieses Rätsel wäre damit auch gelöst. Fein. Als es langsam spät wurde, beschlossen die beiden Richtung Maries Zuhause zu laufen. Er wollte sie ungern allein nach Hause gehen lassen, daher begleitete er sie.

An dem Haus angekommen ließen sie einander los. Sie hatten die ganze Zeit Händchen gehalten. Für Marie war das auf der einen Seite etwas schnell gegangen, auf der anderen Seite freute sie sich natürlich über seine Initiative. Sie standen voreinander und sahen sich in die Augen. Tief. Und die Zeit schien still zu stehen, denn Marie kam es so vor, als wäre der Moment einfach stehengeblieben und würde niemals enden. Doch er endete. Und zwar interessanter als erwartet. Plötzlich nahm Leon wieder ihre Hände, schob sie rückwärts bis zur Hauswand, drückte sie leicht dagegen und kam mit seinem Gesicht direkt bis vor ihres. Wieder schaute er ihr tief in die Augen, während er ihre Hände um seinen Hals gelegt hatte und mit seinen Händen ihre Hüften umfasste. Sanft strich er ihr über die linke Wange und küsste sie dann zärtlich. Als Marie realisierte was hier gerade geschah, erwiderte sie den Kuss und er wurde leidenschaftlicher. Es war ein sehr heißer und inniger Kuss und Marie merkte, dass Leon gern mehr wollte. Er presste seinen Körper an ihren, sodass sie eine leichte Erektion spüren konnte. Das machte sie natürlich umso wilder.

Doch er war ein anständiger Mann und beendete den Kuss vorsichtig.

„Heute bringe ich Dich nur nach Hause. Beim nächsten Mal vielleicht in die Wohnung. Schlaf gut meine Schöne und melde Dich morgen nach der Arbeit bei mir.“ dann küsste er sie noch einmal auf die Wange, drehte sich um und als sie im Haus verschwunden war, ging auch er nach Hause.

Wow, dachte sie, was war das bloß für ein Kuss. So hatte sie noch keiner geküsst. Und so viel Leidenschaft brachte ihre Knie zum Zittern – auch noch eine ganze Weile nachdem er weg war. Dafür gibt es auf jeden Fall Wiederholungsbedarf.

# 6

Er kam nicht in ihrem Traum vor. Ehrlich gesagt kam wohl gar nichts darin vor, denn sie träumte nichts. Zumindest konnte sie sich an keinen Traum erinnern. Sie schlief so fest, dass sie morgens super erholt und ausgeschlafen aufwachte. Und das sogar noch kurz vor Klingeln des Weckers.

Für die nächsten beiden Tage hatte sie im Büro gut zu tun und es war auch einiges an Kundschaft im Laden. Zeitweise war es etwas stressig, aber es waren immerhin die Kunden, die Ihr ihre Brötchen finazierten. Daher wollte sie sich nicht beklagen. Auch Sarah freute sich über die Menge an Menschen im Reisebüro. Sie mochte es, wenn es bunt und laut war im Büro. Wenn keine Kundschaft vor Ort war, dann war es oftmals ziemlich still in den Räumlichkeiten.

Als endlich Freitagmittag war, waren alle Mädels froh, dass sie endlich nach Hause und in ihr verdientes Wochenende gehen konnten. Es war einiges los in dieser Woche. Erst der wichtige Termin, das Gespräch am Mittwoch bezüglich des neuen Auftrages und die beiden vergangenen stressigen Tage. Aber nun war es geschafft und die Mädels plauderten noch einen Moment über ihre Wochenendpläne. Alle hatten etwas vor. Die Chefin machte einen Kurztrip nach Mailand, die Azubine war auf einem Geburtstag eingeladen, Sarah besuchte mit Sedrik einen Chinesisch-Kochkurs. Und Marie? Sie hörte sich gespannt die Pläne der anderen an, sie selbst hatte aber noch keine Pläne gemacht.

Sie fragte sich, ob das gut oder schlecht war. Auf der einen Seite wollte sie gern etwas unternehmen und unter Menschen kommen. Auch den Mädelsabend wollte sie gern bei sich abhalten. Auf der anderen Seite war es vielleicht auch mal ganz gut, runter zu kommen und einfach nur auf dem Sofa zu liegen und zu entspannen. Man nimmt sich viel zu selten die Zeit dafür. Sie schlenderte nach Hause und überlegte was sie heute noch anstellen würde. Sie entschied sich erst mal für ein Bad und nahm ihr neue Buch mit in die Wanne. Sie hatte sich neulich ein neues Buch gekauft und kam bisher noch nicht dazu, es zu lesen.

Als sie aus der Wanne stieg und sich abtrocknete, hörte sie den SMS-Ton ihres Handys. Sie ging ins Schlafzimmer zum Handy und warf einen Blick drauf. Plötzlich spürte sie die Schmetterlinge in ihrem Bauch. Sie tanzten und feierten eine Party beim Anblick des Displays. Es war eine Nachricht von Leon. Sie hatte an diesem Wochenende nicht mit einer Nachricht von ihm gerechnet und daher freute sie sich umso mehr darüber.

„Hallo meine Schöne. Hier ist super Wetter und die Stimmung ist gut. Die Frauen sind alle leicht bekleidet, aber weißt Du was? Irgendwie muss ich immer nur an Dich denken. Ist das zu schnulzig? Wenn ja, dann habe ich es nicht geschrieben. Wenn nein, ich denke immer zu an Dich und freue mich schon auf unser Treffen.“

Ach wie niedlich! Wobei Marie sich natürlich mal wieder Gedanken machte, wo die Jungs wohl Urlaub machen und warum die Frauen leicht bekleidet sind. Wird wohl Malle sein, dachte sie sich. Es machte sie ein wenig hibbelig, dass er sagte er würde viel an sie denken. Sie dachte natürlich auch an ihn und freute sich schon auf das Treffen. Allerdings wollte sie ihm das nicht ganz so offensichtlich zeigen. Sie wollte sich ihm schließlich nicht direkt an den Hals werfen, sondern etwas zurückhaltend wirken.

„Danke für die lieben Worte. Ich wünsche euch einen schönen Urlaub. Kannst Dich ja melden wenn Du wieder da bist.“

Sie hielt die Nachricht sehr knapp und legte das Handy dann erst mal wieder weg um sich fertig zu machen. Zwischenzeitlich hatte sich Janne für einen Kinobesuch angemeldet. Sie wollte Marie um 19:00 Uhr abholen und dann gemeinsam mit ihr einen Liebesfilm im Kino gucken. Das war ja schon mal fast wie Mädelsabend, dachte sich Marie und freute sich auf den Abend. Sie machte sich hübsch und schminkte sich ein wenig. Wann war sie das letzte Mal im Kino? Das muss schon ewig her sein.

Sie kam recht zeitig nach dem Film wieder nach Hause und ging direkt ins Bett. Scheinbar taten ihr die langen Nächte gut und der Körper verlangte danach. Da sie Samstag ausschlafen konnte, nutzte sie es komplett aus und schlief bis 13 Uhr. Ein Müsli und zwei Folgen ihrer Lieblingsserie später, machte sie sich auf in die Stadt. Sie wollte ein bisschen was einkaufen und brauchte noch eine Gesichtsmaske. Unterwegs traf sie noch eine alte Schulkameradin, mit der sie eine halbe Stunde quatschte.

Wieder Zuhause angekommen, machte sie sich die Maske, lackierte sich die Nägel, wischte Staub und machte nur Dinge, die ihr spontan in den Sinn kamen. Ein sehr entspannter Tag also. Gegend Abend musste sie an Leon denken und malte sich aus wie es wohl wäre, wenn er jetzt bei ihr wär. Vielleicht stellte sie sich auch nicht ihn vor, sondern nur wie es wäre, wenn überhaupt jemand bei ihr wär. Es wäre sicher schön…

# 5

Denn: am nächsten Tag stand auch wieder ein wichtiger Termin für Marie an und sie wollte auf keinen Fall wieder verschlafen und so in Stress geraten. Kaum das Handy aus der Hand gelegt, schon fielen ihr die Augen zu. Es war also scheinbar die richtige Entscheidung, ihre Unterhaltungen an dieser Stelle zu beenden.

Es war der nächste Morgen. Die Sonne schien und sie wachte nicht etwa durch das Klingeln des Weckers auf, sondern kurz davor. Das waren die besten Morgen. Wenn alles von alleine lief. Sie streckte sich und checkte ihre sozialen Netzwerke in Ruhe. Dann stand sie auf, machte ihr Bett und öffnete erst einmal das Schlafzimmerfenster. Die Luft war ganz rein und erfrischend. Einen Moment durfte das Fenster zum Stoßlüften offen bleiben, während Marie im Bad duschte. Sie hatte heute sogar etwas mehr Zeit um sich zu schminken. Und die nutzte sie voll aus. Denn für den Termin wollte sie unbedingt brilliant aussehen. Es war nicht irgendein Termin, sondern ein Termin mit Vertretern eines Reiseführers. Sie verkauften Reiseführer für Städtetrips und wollten mit Marie und ihrer Chefin über ein neues Konzept im Reisebüro sprechen. Sarah hätte auch dabei sein können, aber sie meldete sich freiwillig für den „Ladendienst“. Das heißt, dass sie am Platz blieb und sich um die Kundschaft kümmerte. Es war nicht ihre größte Leidenschaft mit Vertretern zu sprechen und Dinge mit ihnen auszumachen. Marie hatte damit kein Problem. Ganz im Gegenteil. Sie war sehr eifrig was die Arbeit anging und wollte viele neue Kontakte knüpfen. Sarah hingegen war froh, wenn sie mal etwas Zeit zur Planung ihrer Hochzeit gewinnen konnte. Außerdem stand ja auch noch dieser Urlaub an, der nach wie vor ein Streitthema war.

„Und, wie ist das Gespräch gelaufen? Kommt das neue Konzept?“ fragte Sarah dennoch recht aufgeregt, als Marie aus dem Besprechungsraum kam und die externen Gäste das Reisebüro verlassen hatten.

„Na klar! Wir werden ab nächsten Monat auch Städtetrips mit anbieten. Mit dem Bus oder mit einem Bahnticket. Das bedeutet etwas Mehrarbeit für uns, da wir die Bahntickets für die Kunden buchen werden, aber das sollte zeitlich durchaus vertretbar sein. Ich bin sehr gespannt wie es angenommen wird und freue mich drauf.“

Sie verspürte irgendwie das Bedürfnis, Leon von dem erfolgreichen Termin zu berichten. Sarah riet ihr, es zu lassen, damit sie spannend für ihn blieb. Aber sie ging nicht davon aus, dass es sie weniger spannend machte, wenn sie mit ihm ein positives Erlebnis aus ihrem Leben teilte. Manchmal musste mal einfach über den Kopf seiner Freunde hinweg entscheiden ..

„Heute ist ein toller Tag! Habe auf der Arbeit einen neuen Auftrag an Land gezogen und fühle mich großartig. Wie läuft es bei Dir?“

Nachdem sie die Nachricht abgeschickt hatte, legte sie das Handy aber gleich wieder weg und arbeitete weiter. Sie hatte noch einiges an Aufträgen auf dem Tisch liegen und wollte heute ordentlich was abarbeiten. Es kamen viele Kunden ins Geschäft und es war alles in allem ein sehr erfolgs- und arbeitsreicher Tag für die Ladies.

Am Abend wollte sie mit Sarah noch etwas Trinken gehen. Sie hatten sich für ein Bierchen im Park entschieden. Dort konnten sie quatschen, sich noch ein bisschen sonnen und den Tag ausklingen lassen. Sarah berichtete ein bisschen aus ihrem Liebesleben und kotzte sich bei Marie über Sedrik aus. Es lief wohl gerade nicht so gut bei den beiden und Sedrik hätte wenig Zeit momentan, weil er viel zu tun hat. Gut. Das ist ja nunmal manchmal so. Und schließlich wollte Sarah ja einen fleißigen Mann und keinen, der den halben Tag auf der Couch verbringt. Nun musste sie auch damit leben können, dass ihr Verlobter ab und zu weniger Zeit für sie und ihre Wünsche übrig hatte. Das fiel ihr teilweise etwas schwer, aber nachdem Marie ihr nun schon mittlerweile eine Stunde lang gut zu redete, ging es langsam wieder und ihre Laune wurde besser.

Gegen 21 Uhr kam Marie endlich Zuhause an. Sie war völlig fertig, aber auch glücklich, weil der Tag so schön war. Wenn jeder Tag so laufen würde, das wäre fantastisch. Aber vermutlich wäre es dann auch langweilig und man wäre auch nicht viel glücklicher. Also freute sie sich über diese Tage, an denen alles glatt lief und ihre Laune abends noch genau so gut war wie morgens. Ihr Handy hatte sie seit vorhin gar nicht mehr aus der Tasche geholt. War da vielleicht eine Nachricht von ihm? Oh ja, da war eine.

„Das freut mich für Dich, meine Liebe! Mein Tag lief auch gut, ohne größere Besonderheiten, aber er lief gut. Die nächsten beiden Tage habe ich Urlaub und fahre mit meinen Kumpels über das Wochenende weg. Ich kann dann nicht viel schreiben, aber ein bisschen auf jeden Fall :)“

Über das Wochenende weg? Mit den Kumpels? Was war das bloß für ein Wochenende? Ob sie eine Sauftour machen würden? Na mit Sicherheit! Was sollten Männer sonst zusammen am Wochenende machen? Wohl keine entspannte Radtour mit Quellwasser. Aber warum machte sie sich da überhaupt Gedanken drüber? Konnte ihr ja eigentlich egal sein. Aber irgendwie war sie neugierig und wollte natürlich gern wissen wo es hingehen würde. Aber sollte sie ihn das nun direkt fragen? Hm. Sie war sich unsicher. Statt zu fragen entschied sie sich für einen anderen Text:

„Okay, dann wünsche ich Dir und Deinen Kumpels ein schönes Wochenende und ich hoffe Du kommst heile wieder. Sehr gern darfst Du mir schreiben :)“

„Super! Ich muss jetzt noch ein paar Sachen packen. Ich wünsche Dir eine gute Nacht und angenehme Träume von sonnigen Stränden und kalten Cocktails – aber nicht zu viele, denn wir wissen ja was dann passiert 😉 Ciao Bella.“

Hach, diese Nachricht fand sie besonders süß. Sie war überglücklich mit ihrem Leben momentan und plante für die nächsten Tage einige Erledigungen und auf jeden Fall ein Treffen mit den Mädels zu einem Mädelsabend. Am besten auch noch einen Wellnesstag. Aber erstmal hieß es … ab ins Bett und mal schauen, ob der Traum vom sonnigen Strand und dem Cocktail vorbeifliegt. Schön wäre es ja, wenn auch noch Leon darin vorkäme …

# 4 (short one)

War das etwa eine Anfrage für ein Date? Denn genauso hatte es sich für Marie angefühlt. Sie war ganz aus dem Häuschen und malte sich den Abend vor ihrem inneren Auge aus. Immer und immer wieder dachte sie darüber nach und dachte sich neue mögliche Endungen für dieses Date aus. Erst kochten sie zusammen, aßen gemeinsam und hörten dabei Jazz-Musik. Ein bis zwei Songs wurden getanzt und sie lachten viel. In einer anderen Fantasie stellte sie sich vor, dass sie einen DVD-Abend daraus machten und eng aneinander auf dem Sofa saßen. Dabei sahen sie einen Horrorfilm bei dem sich Marie – selbstverständlich – an Leon kuschelte weil sie Angst hatte. In einer dritten Fantasie war er ein fürchterlicher Kerl und der Abend verlief ganz anders als erwartet und Marie war froh, als er wieder ging.

Doch so viel sie auch darüber nachdachte, es war alles nur in ihrer Fantasie. Und wenn sie sich nicht auf das Date einließ, dann würde sie es nie erfahren. Also sagte sie zu.

„Was würdest Du denn gern mal kochen? Gibt es etwas, was Du schon immer mal selbst machen wolltest?“

Puh, da hatte er sich ja eine Frage ausgedacht. Natürlich gab es viele Sachen, die Marie gern mal selbst ausprobieren würde. Von Sushi zu alter Hausmannskost ihrer Oma war so ziemlich alles dabei. Aber sie entschied sich für etwas recht simples was für das erste Date auch nicht zu „anstrengend“ war:

„Gemüselasagne mit Rinderfilet. Das wäre doch etwas, oder? Das sollte nicht zu schwer sein, aber auch nichts was man sich als Single jeden Tag macht. Was sagst Du dazu?“

Leon war einverstanden. Er fand die Idee gut und schlug einen Termin vor. Dann schrieben die beiden noch ein bisschen hin und her und wünschten sich eine gute Nacht. Irgendwie waren sie doch beide ganz schön geschlaucht von der kurzen Nacht und wollten rechtzeitig ins Bett.

Marie telefonierte noch ein paar Minuten mit Janne und berichtete ihr von Leon und dem aktuellen Stand der Kommunikation. Janne war ganz neugierig weil sie gern wissen wollte wie Leon aussah. „Toll“ war schließlich nicht die einfallsreichste Beschreibung für einen Mann. Auch mit Janne machte sie eine Verabredung aus um mal wieder zu quatschen. Bis dahin hatte sie vielleicht auch ein Foto von Leon organisiert, sodass sie es Janne und auch Sarah natürlich zeigen konnte. Aber für heute war Schluss. Sie wollte nur noch ins Bett um im Land der Träume an Leon zu denken …